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Helmut Lander - Der Weltensammler Ernst Barlach Museum Wedel

 

24. Februar bis 23. Juni 2019

 

 

Das Werk des 1924 in Weimar geborenen und 2013 in Darmstadt gestorbenen Helmut Lander galt in Norddeutschland bisher als weitgehend unbekannt. Dabei hat der Bildhauer, Maler, Grafiker und Fotograf die Darmstädter Sezession als langjähriges Vorstandsmitglied über Jahrzehnte geprägt, schuf zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum, war Mitglied im Kuratorium des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst und Hochschullehrer am Fachbereich plastisches Gestalten der TU Darmstadt.

 

In den 1950er, 60er und frühen 70er Jahren unternahm Helmut Lander ausgedehnte Reisen nach Spanien, Afrika, Indien, Mexiko, Jemen und dem Vorderen Orient. Die Fotografien, Filme, Zeichnungen und graphischen Arbeiten, mit denen er diese Reisen dokumentiert hat, verdichten sich für den heutigen Betrachter zu einer einzigartigen Sammlung kulturhistorischer Reiseportraits. Immer auf der Suche nach dem Symbolischen eines Blickes, einer Geste oder Handlung zeichnet Lander aus ständig wechselnden Perspektiven vor allem das Leben der Menschen nach, die ihm auf seinen Reisen begegnet sind. In dynamischer Bildgestaltung, verweist der Künstler auf Handlungskontexte oder vieldeutige Interaktionen, die immer auch kleine Geschichten erzählen und den heutigen Betrachter in die Lage versetzen, das Fremde der bereisten Regionen besser zu verstehen.

 

Landers historische Reisefotografien sind Momentaufnahmen, in denen Augenblicke fremden Lebens festgehalten sind. Dabei bedient er weder Stereotype noch touristische Klischees, sondern nimmt eher eine ethnographische Position ein, indem er Eindrücke aus der teilnehmenden Beobachtung auf Menschen sammelt. Der Künstler bedient nicht unsere Sehnsucht nach exotischen Reisewelten. Es gelingt ihm, sich der Logik vorherrschender Fremdheitsprojektionen weitgehend zu entziehen, weil er dem Idealisieren, Übertragen und Verlagern eigener Emotionen auf das Fremde konsequent widersteht. So leistet er einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über interkulturelle Beziehungen, Migration und Integration. Er zeigt, dass das Erlebnis des Fremden eine weniger verunsichernde, als vielmehr faszinierende Erfahrung sein kann. Landers Reisebilder sind subversiv, nicht weil sie erschrecken, aufreizen oder stigmatisieren, sondern weil sie nachdenklich machen und damit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung von aktuellen Befangenheiten gegenüber dem Fremden leisten können.

 

Landers beständiger Form- und Gestaltungswille kommt besonders auch in seinen plastischen Werken zum Ausdruck. Gerne greift er hier die surrealistische Tradition vom „gefundenen Objekt“ auf, indem er naturhaft vorgegebene Formen einer Metamorphose unterzieht und sie zu figuralen Szenen voll dynamischer Stärke und innerer Spannung arrangiert. Auch hier ist die menschliche Figur und der menschliche Körper seine thematische Leitlinie, die ihren Höhepunkt in den Aquarellen und Fotografien weiblicher Akte findet, die er mit Eisen- und Bronzeplastiken zur der Werkgruppe „Starke Frauen“ verdichtet hat.

 

Landers Akte und Torsi sind in ihrer Darstellung stark reduziert, denn der Künstler ist so auf die Person konzentriert, dass der Raum ganz in den Hintergrund tritt. Landers Körperbilder sind obsessiv und verstörend schön: Seine Figuren strecken und beugen sich, seine Körper drehen und dehnen sich, schließen sich zu runder und kompakter Geschlossenheit oder breiten sich aus zu sinnlicher Schönheit. Lander kommt seinen Modelle sehr nah, er geht förmlich unter die Haut der Abgebildeten und schafft auf diese Weise Körperbilder, die sich nicht sofort entschlüsseln und die wir mit unvoreingenommener Fantasie zu ergänzen haben.

 

 

 

 

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LANDER

HELMUT

Der Weltensammler

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